“Der Einfluss von Trump, Twitter & #fakenews auf die Rechtskommunikation”

Litigation-PR-Konferenz 2018

Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Bereichen wie Medien, Politik, Wirtschaft und nahmen an der 3. Litigation-PR-Konfernez an der ZHAW School of Management and Law teil. In Workshops, darunter einer von N.CH, Interviews, einer Podiumsdiskussion und Präsentationen diskutierten sie die Herausforderungen von #fakewnews, Social Media und Trump an eine nachhaltige und verantwortungsvolle Rechtskommunikation.

Organisiert von N.CH und seinen Partnern, der ZHAW School of Management and Law und AGON PARTNERS LLP, sowie der Crisis and Litigation Communication Alliance, diskutierten und analysierten verschiedene Experten das Verhältnis zwischen Presse, Öffentlichkeit und Justiz. Seit den letzten beiden Konferenzen im Jahr 2016 und 2017 ist es nicht einfacher geworden. Doch wo es Herausforderungen gibt, gibt es auch Chancen.

“Wir werden von unwichtigen Informationen überflutet”

Die Teilnehmenden wurden vom Dekan der ZHAW, Jean-Marc Piveteau, begrüsst. Anschliessend berichtete der ehemalige deutsche Bundesfinanzminister Peer Steinbrück über seine Erfahrungen im Umgang mit den Medien als Politiker. Er ist der Meinung, dass die grösste Herausforderung der Medien ihre Ökonomisierung ist. Nicht die Qualität, sondern die Quantität der Informationen steht im Vordergrund, was auch bedeutet, dass Journalisten nicht mehr als Gatekeeper fungieren. Dies ist jedoch eine der wichtigsten Aufgaben eines guten Journalismus, sich auf die Themen und Nachrichten zu konzentrieren, die wirklich wichtig sind. Zudem wurden Berichte und Kommentare zusammengeführt, um mehr Online-Besuche zu erhalten, was wiederum ein weiterer Grund für das sinkende Vertrauen der Öffentlichkeit in die Medien ist, da der Leser nicht mehr sicher sein kann, ob er die objektiven Nachrichten oder die Analyse des Reporters selbst erhält.

Ich hoffe, dass die Journalisten wieder selbstkritisch sein werden.” – Peer Steinbrück

Gebunden an das Amtsgeheimnis

In den Interviews sprachen Dr. Martin Kayser und Dr. Mirjam Teitler einerseits und Roger Huber und Marijana Gavric andererseits über die Bedeutung und Herausforderung des Amtsgeheimnisses. Roger Huber berichtete über seine Erfahrungen mit dem in der Schweiz bekannten “Fall Carlos”, bei dem er beschuldigt wurde, vertrauliche Informationen an die Presse weitergegeben zu haben. Obwohl er diese Anschuldigungen bestritt und seine Schuld nie bewiesen wurde, verlor er sein Mandat. In der Zwischenzeit berichtete Martin Kayser, Bundesrichter am Obersten Verwaltungsgericht der Schweiz, über seine Erfahrungen als Richter, der von den Medien unter Wahrung des Amtsgeheimnisses aufgefordert wurde, zu Prozessen oder Verfahren Stellung zu nehmen. Seiner Meinung nach ist die Frage, wann welche Art von Informationen weitergegeben werden sollen, vergleichsweise einfach:

“Als Richter bin ich an das Amtsgeheimnis gebunden. Wenn jedoch einige Details der Öffentlichkeit bereits bekannt sind, kann ich als Richter zu einigen spezifischen Punkten Stellung nehmen” – Martin Kayser

#fakenews und “Gute Kommunikation”

Eine ‘dunklere Zukunft’ wurde Uwe Wolff und Patrick Minar gezeigt, die über ihre Erfahrungen im Umgang mit #fakenews und Fehlinformationskampagnen im Internet berichteten. Mit Fokus auf Unternehmen stellten sie dar, wie z.B. ein verärgerter ehemaliger Angestellter seinem ehemaligen Arbeitgeber schaden könnte, indem er unter falschem Namen im Internet ein Gerücht in Umlauf bringt und sein Wissen über das Unternehmen nutzt, um dessen Geschäftsmodell zu schädigen. Oft bleiben solche Bestrebungen unentdeckt, bevor der Schaden eingetreten ist. Während große multinationale Unternehmen über professionelle Überwachungsinstrumente und -teams verfügen, um solche Bemühungen von Anfang an zu unterbinden, sind sich kleinere Unternehmen zu oft der Folgen erst bewusst, wenn es zu spät ist. Laut Wolff und Minar wird die Zunahme der künstlichen Intelligenz die Bedrohung durch #fakenews erhöhen, insbesondere für unvorbereitete Nutzer und Unternehmen.

In der anschliessenden Podiumsdiskussion, moderiert von Prof. Dr. Patrick Krauskopf, diskutierten die Teilnehmer, Peter Metzinger, Gründer der Business Campaigning GmbH, Volker Dohr, Head of Legal & Compliance der AMAG Automobil- und Motoren AG, Prof. Dr. Aleksandra Gnach, Professorin für Medienlinguistik an der ZHAW Angewandte Linguistik, und Medienanwalt Dr. Andreas Meili über die Herausforderungen guter (Online-)Kommunikation, Reputationsmanagement und die rechtlichen Instrumente sowie deren Wirksamkeit. Während die Digitalisierung die Verbreitung von #fakenews erleichterte und der Schaden allzu oft schon angerichtet wurde, waren sich alle einig, dass es in einer Krise keine Option ist, nicht zu handeln oder nicht zu kommunizieren. Je transparenter und offener man kommuniziert, desto besser. Das Verbergen von Informationen wird nur künftigen Schaden anrichten und das gewonnene Vertrauen untergraben. Von besonderer Bedeutung ist die (Online-)Gemeinschaft. Sie kann als Beschleuniger genutzt werden, um wichtige Informationen zu verbreiten und das Vertrauen in der Öffentlichkeit wieder aufzubauen.

“Wenn man versucht, etwas zu vertuschen, liefert man Munition” – Peter Metzinger

Vor 30 Jahren hat man damit geprahlt, ‘nicht zu kommunizieren'”

Unterdessen zeigte Richterin Andrea Titz, wie sich die Zeiten für die Justiz geändert haben. Während die “Pressesprecher” der Gerichte in der Vergangenheit stolz darauf waren, keinen Kontakt zu Journalisten gehabt zu haben, müssen die Gerichte heute aktiv über die Verfahren kommunizieren, um Fehlinformationen, falsche Anschuldigungen und #Fälschungen so gut wie möglich zu verhindern, zumal sich die Aufmerksamkeit der Medien auf den Beginn eines Prozesses konzentriert, nicht aber auf seine Ergebnisse (vor allem dann nicht, wenn der Angeklagte nachweislich nicht schuldig ist). Aus diesem Grund sind die meisten Gerichte dabei, ihre Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern und sich an die sich ändernden Nachrichtenzyklen anzupassen. Dies ist von besonderer Bedeutung, da Journalisten ihre Informationen in jedem Fall erhalten und wenn das Gericht nicht verfügbar ist, werden sie jemand anderen fragen, der meist keine zuverlässigen und korrekten Informationen liefert, die dennoch veröffentlicht werden.

“Meistens kommen falsche Informationen nicht von den beteiligten Parteien, sondern von jemand anderem.” – Andrea Titz

Im Anschluss an die Konferenz setzten die Teilnehmenden ihre Diskussionen während des Galadinners im historischen “Haus zur Geduld” mitten im Zentrum von Winterthur fort. Den Festvortrag hielten der ehemalige Bundesminister und Bundespräsident der Schweiz sowie der ehemalige Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen, Adolf Ogi.

Visit the conference page for more information.

Konferenzeindrücke

Besuch Sie die Webseite der  Litigation-PR-Konferenz für weitere Informationen.

Workshop-Bericht

Bericht “Systemische Strategieentwicklung” – Workshop @ Litigation-PR-Konferenz 2018

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