“Rechtskommunikation”

Litigation-PR-Konferenz 2017

Über 75 Teilnehmer aus verschiedenen Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Recht und Medien nahmen an der 2. Litigation-PR-Konferenz teil. In Workshops, Interviews, einer Podiumsdiskussion und Präsentationen diskutierten sie über die Zukunft der Rechtskommunikation, ihre Herausforderungen und Möglichkeiten.

An der zweiten Litigation-PR-Konferenz von N.CH und seinen Partnern, der ZHAW School of Managemen and Law und AGON PARTNERS LLP, diskutierten und analysierten 19 Experten das Verhältnis zwischen Presse, Öffentlichkeit und Justiz. Seit der letzten Konferenz im Juni 2016 ist es nicht einfacher geworden.

“Kommunikation ist wie eine Handgranate”

Nach der Eröffnung durch den Direktor der Abteilung Wirtschaftsrecht der ZHAW SML, Jens Lehne, berichtete Ständerat Daniel Jositsch über seine Erfahrungen als Politiker, Professor und Jurist. Er kritisierte, dass die Journalistinnen und Journalisten heute mehr daran interessiert sind, schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit zu waschen, statt das zu tun, was ihre Hauptaufgabe ist: Recherchen durchzuführen und die Öffentlichkeit zu informieren. Die Medien sind immer auf der Suche nach dem “Bösewicht”, und wenn sie einen Fehler machen, korrigieren sie sich nur, wenn sie jemand anderem die Schuld geben können. Hannes Hartung, ehemaliger Anwalt von Cornelius Gurlitt bei der Entdeckung der Münchner Kunstwerke 2012, erzählte seine Sicht der Geschichte und wie er versuchte, die Wahrnehmung seines Mandanten durch Interviews oder die Erstellung einer eigenen Website zu steuern, was dazu beitrug, die Geschichte seines Mandanten in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Beide Experten waren der Meinung, dass man sich gerade in einer Litigation-PR-Krise auf erfahrene Strategen, Public Relations-Berater und Anwälte verlassen können müsse, um kreative und neue Lösungen entwickeln zu können. Keine Ausbildung oder Studium kann die Erfahrung im Umgang mit den Medien, der Öffentlichkeit und den sozialen Netzwerken in einer Krise ersetzen.

“Die Juristen von heute müssen wissen, wann es wichtig ist, einen Experten für Öffentlichkeitsarbeit einzubeziehen” – Daniel Jositsch

Eine neue “Fehler”-Kultur ist erforderlich

Der Umgang mit und die Kommunikation von Fehlern und die Bedeutung von Fakten waren die wiederkehrenden Themen während der drei Kurzinterviews der Konferenz. Richard Eisler, CEO von Comparis, schilderte im Interview mit dem Kommunikationsexperten Mark Alder, wie sein Unternehmen während eines Konflikts mit dem Bundesamt für Gesundheit eine unnötige Eskalation vermieden hat. Am Ende bewiesen die aufgedeckten Fakten, dass sein Unternehmen von Anfang an auf der richtigen Seite stand. Ein anderes Beispiel für eine Litigation-PR-Krise diskutierten der PR-Berater Hans Klaus und die Journalistin Andrea Fiedler. Hans Klaus skizzierte, wie wichtig es gerade in Krisenzeiten ist, Kritiker und unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen. Er stellte den Fall von VW vor, bei dem aufgrund eines zu hierarchischen Systems viele Fehler gemacht wurden, die Menschen davon abhalten, auf offensichtliche Fehler in der Strategie des Managements hinzuweisen. Schließlich diskutierten Patrick Krauskopf und Noemi Schöni über die Herausforderung von Social Media und wie man kommunizieren kann, einen Fehler gemacht zu haben, ohne sich schuldig zu bekennen. Sie umrissen den Kontext eines Falles, und seine Publizität ist von allergrößter Bedeutung, was es in einigen Fällen schwierig macht, einen Fehler zu kommunizieren, ohne rechtliche Verpflichtungen zu schaffen. Am Beispiel des Falles von United Airlines erklärte Noemi Schöni, dass es für das Unternehmen zwar kein Problem gewesen wäre, den Passagier zu entschädigen, dass aber die Aufmerksamkeit der sozialen Medien für den Fall eine negative Abwärtsspirale erzeugt hätte, die durch das unprofessionelle Verhalten von United Airlines selbst noch verstärkt wurde. Eine kohärente und nachhaltige Kommunikationsstrategie hätte in diesem Fall einen Großteil der negativen Presse- und Medienaufmerksamkeit vermeiden können.

“In einem extrem hierarchischen Unternehmen gibt es keine Kultur des Widerspruchs. In einer solchen Situation ist es nicht verwunderlich, dass Mitarbeiter in einer Krisensituation direkt zu den Medien gehen” – Hans Klaus

Drei Fälle und eine neue Methodik

Drei Workshops boten den Teilnehmern die Möglichkeit, neue Strategien und Fälle zu diskutieren. Martin Jenewein zeigte die Instrumente der Litigation-PR in internationalen Konflikten am Beispiel des vom FBI in Wien verhafteten Dmitrij Firtasch. Armin Sieber zeigte, wie die Kommunikationsstrategie im Falle einer Klinik für plastische Chirurgie, die sich der Herausforderung beschädigter Implantate stellen musste, funktioniert.  Daniel Hardegger, Christian Schlimok und Andreas Huthwelker stellten eine neue Methode namens “The Map” vor, die bei der Analyse der von Gerald Hensel initiierten Kampagne #keingeldfuerrechts im November-Dezember 2016 zum Einsatz kam. Die Methode, die Verhandlungstechniken, Design Thinking, strategische Vorausschau und Organisationsanalyse kombiniert, ermöglichte es, Einblicke zu gewinnen, wie die verschiedenen Stakeholder miteinander verbunden waren und wie sie miteinander interagierten.

“In einer Krise einen Schritt zurücktreten zu können, ermöglicht es, einen umfassenden Überblick darüber zu erhalten, was tatsächlich vor sich geht” – Daniel Hardegger

Gericht der öffentlichen Meinung

Während der Podiumsdiskussion, die von Prof. Dr. Patrick Krauskopf, Roland Binz, Juan Cortizo, Michael Knoll, Natalie Rickli and Rena Zulauf über die Rolle der Medien und die Herausforderungen von Unternehmen und Non-Profit-Institutionen im Umgang mit ihnen. Während die Kommunikation immer wichtiger wird, verlieren Medienunternehmen die Kontrolle über ihre Nachrichten, weil Organisationen in der Lage sind, direkt mit ihrer Zielgruppe zu kommunizieren. Hinzu kommt, dass die Öffentlichkeit in der Regel sehr emotional reagiert und es schwierig ist, die Meinung der Öffentlichkeit später zu ändern. Es ist daher wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, was in der Presse und in sozialen Netzwerken diskutiert wird, sich aber gleichzeitig nicht einschüchtern zu lassen und die Initiative zu verlieren.

Im Anschluss an die Konferenz setzten die Teilnehmenden ihre Diskussion während des Galadinners im historischen “Haus zur Geduld” mitten im Zentrum von Winterthur fort. Die Hauptrede hielt Dominik Isler, CEO of the Swiss Economic Forum (SEF).

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Besuch Sie die Webseite der  Litigation-PR-Tagung für weitere Informationen.

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