Die Macht des Bildes

Litigation-PR-Konferenz 2019

“Ein Bild sagt mehr als tausend Worte” – eine Binsenweisheit. Doch im Zeitalter der sozialen Medien verbreiten sich Bilder schnell und beeinflussen die öffentliche Meinung. Was bedeutet dies für Rechtsstreitigkeiten, Gerichtsverfahren und die Justiz? An der 4. Litigation-PR-Tagung vom 10. April 2019 an der ZHAW in Winterthur nahmen unter anderem Armin Wolf, Karin Matussek und Christoph Blocher an der Diskussion teil.

Mit dieser Herausforderung begrüsste Prof. Dr. Reto Steiner, Direktor der ZHAW School of Management and Law, die Teilnehmenden und Experten in Winterthur. Prof. Dr. Patrick L. Krauskopf, Leiter des Zentrums für Wettbewerbs- und Wirtschaftsrecht, eröffnete anschliessend die Tagung. Seiner Ansicht nach können nur 10% des Erfolgs in einem Rechtsstreit auf juristisches Fachwissen zurückgeführt werden. Der Rest des Erfolgs hängt von interdisziplinären Fähigkeiten wie Kommunikation und Führung ab. Litigation-PR hat das Ziel, Rechtsstreitigkeiten interdisziplinär anzugehen, was bedeutet, dass die sozio-kulturelle, rechtliche und wirtschaftliche Perspektive berücksichtigt werden muss. Es geht aber nicht nur darum, die Justiz zu erreichen, sondern die eigene Position in der öffentlichen Meinung verankern zu können. Denn wer nicht nur Recht haben will, sondern auch Recht haben will, kommt nicht umhin, alle Beteiligten in die Kommunikationsstrategie einzubeziehen. Bis heute ist die ZHAW die einzige Hochschule im deutschsprachigen Raum, die die damit verbundenen Herausforderungen und Chancen erkannt hat und sich nachhaltig und interdisziplinär damit auseinandersetzt.

“Die Macht der Bilder” oder “Wenn Influencer Städte lahmlegen”.

Keynote-Speaker Dr. Armin Wolf, stellvertretender Chefredakteur des ORF und Moderator des Nachrichtenjournals zib2, erläuterte in seiner Keynote “Die Macht der Bilder im Zeitalter von Social Media und gefälschten Nachrichten”, wie schwierig es ist, den Einfluss von Bildern in der Kommunikation zu bewerten und vor allem als Journalist eine kritische Haltung beim Publikum auszulösen. Einer der Wendepunkte war die Präsidentschaft von Ronald Reagan, der bewusst Bilder zur Kommunikation einsetzte und auch in seinem Stab professionelle Hilfe leistete. Heute erlauben es Social Media jedem, den öffentlichen Diskurs durch Bilder zu beeinflussen. Das zeigt sich nicht nur in rechtlichen und politischen Auseinandersetzungen, bei denen immer mehr Bilder zur Kommunikation eingesetzt werden, sondern auch darin, wie so genannte “Beeinflusser” mit wenigen Mitteln und wegen der sie umgebenden Hypes ganze Innenstädte lahm legen können.

Interview mit einem Verleger und einem Kantonsrichter

Nationalrat und Verleger Min Li Marti sprach anschliessend mit dem Journalisten Jean-Francois Tanda über die Herausforderungen, mit denen sie in ihrem Alltag konfrontiert ist. Als Herausgeberin einer unabhängigen, aber politisch positionierten Zeitung steht sie im Hinblick auf die Entwicklung der Medienlandschaft vor anderen Herausforderungen als die meisten großen Medienverlage. Eine klare Positionierung und Unabhängigkeit sind Fluch und Segen zugleich, wenn es darum geht, genügend Ressourcen zu gewinnen, um die Entwicklungen in Politik und Gesellschaft kritisch zu verfolgen.

Peter Hartmeier spricht die Luzerner Kantonsrichterin Marianne Heer über den Wandel der Zeit in den Gerichten. Die heutige Justiz stammt noch aus dem letzten Jahrhundert, deren unabhängige Akteure mit der Öffentlichkeitsarbeit nicht vertraut sind. Dennoch sieht sie die Notwendigkeit: Richter werden gewählt, weshalb es richtig ist, dass nicht nur Staatsanwälte und Rechtsanwälte in spektakulären Fällen kommunizieren. Allerdings unterliegen Kriminelle oder Opfer während der Verhandlungen dem Datenschutz, weshalb es wichtig ist, ihre Persönlichkeitsrechte zu schützen.

Josef Ackermann und das berüchtigte Siegeszeichen

Karin Matussek, Korrespondentin für Recht und Justiz bei Bloomberg, drückte in ihrer Grundsatzrede “Getting a picture – Bilder, Sprache und Journalismus zwischen Justiz und Wirtschaft” den Einfluss von Bildern und Texten im Wirtschaftsjournalismus aus. Ein Beispiel dafür war der Mannesmann-Prozess und das heute berühmte Foto des damaligen Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Josef Ackermann, mit dem Siegeszeichen. Der Titel “hässliches Gesicht des Kapitalismus” wurde dem Bild – und damit den Menschen – schnell zugeschrieben. Über den tatsächlichen Hintergrund wurde kaum berichtet: Weil das Gericht zu spät kam, scherzten Ackermann und seine Mitangeklagten, um die Wartezeit zu verkürzen. Ackermann imitierte scherzhaft Michael Jackson. In derselben Woche war der Sänger mit dem V-Zeichen vor die Medien getreten – als Angeklagter im Kindesmissbrauchsprozess. Gegen die Macht der scheinbaren Botschaft des Bildes gingen die Fakten unter.

Im anschliessenden Panel unter der Leitung von Prof. Dr. Patrick Krauskopf diskutierten die Rechtskommunikationsexpertin Dr. Mascha Santschi Kallay, der Leiter Kommunikation der ZHAW SML Jürg Hostettler, der Geschäftsführer von Voxia communication Laurent Ashenden und der Gründer von lawbusiness Alexander Gendlin, wie wichtig es für die Öffentlichkeit ist, Fakten und Geschichten zu verbinden. Laurent Ashenden zeigte am Beispiel der UBS auf, wie Gegengeschichten gezielt eingesetzt werden, um eine Imagekorrektur zu bewirken. Alexander Gendlin fügte hinzu, dass man nicht nur vor Gericht Recht bekommen müsse, sondern auch in der Öffentlichkeit entsprechend wahrgenommen werden müsse.

Zwei Alt-Bundesräte zum Abschluss

Die Abscluss Keynote “Kommunikation in Politik und Wirtschaft – ein empirischer Bericht” wurde von Alt-Bundesrat Christoph Blocher gehalten. Nach seiner Erfahrung bedeutet Krisenkommunikation immer “in der Öffentlichkeit stehen und die Wahrheit sagen”. Wer versucht, sich zu tarnen, schadet letztlich sich selbst, seinem Unternehmen und seinen Anliegen. Alt-Bundesrat Kaspar Villiger stimmte dieser Sichtweise beim anschliessenden Gala-Dinner im House of Patience grundsätzlich zu, betonte aber, dass die gesamte Krisenvorbereitung nicht überbewertet werden dürfe. Denn ob ein Mensch letztlich in der Lage ist, in der Krise richtig zu reagieren und nachhaltig zu handeln, weiß man erst, wenn die Krise da ist.

Alle Informationen über die Konferenz finden Sie hier.

Konferenzeindrücke

Besuch Sie die Webseite der  Litigation-PR-Konferenz für weitere Informationen.

Workshop-Bericht

Bericht: “Some Influences Die Hard” – Workshop @ Litigation-PR-Konferenz 2019

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