Negotiations.CH

2014–2020

Archiv.

Archive.

Fünf Konferenzen und Workshops an der ZHAW School of Management and Law und die vier Workshopkonzepte, die daraus entstanden sind. Die Texte sind die Originalberichte, leicht gekürzt.

Five conferences and workshops at ZHAW School of Management and Law, and the four workshop concepts that grew out of them. The archive is in German; the original reports have been lightly condensed.

BerichteReports · WorkshopkonzepteWorkshop concepts

Berichte

Reports

Framing, Gender & Litigation-PR

Workshop im Vorprogramm der Litigation-PR-Tagung 2020, ZHAW · Daniel Hardegger und Claudia Müller

Claudia Müller

Der knapp zweieinhalbstündige Workshop begann mit einer Einführung ins Framing – der unterschiedlichen Darstellung derselben Inhalte – und Beispielen, wie Framing gezielt eingesetzt wird, um eine erwünschte Wirkung zu erzeugen.

Die Kernfrage drehte sich um Unterschiede zwischen den Geschlechtern, ihren Lebensrealitäten und deren finanziellen Folgen: Unterschiede in Gehalt und Investitionsverhalten führen dazu, dass Frauen ungleich häufiger von finanzieller Abhängigkeit oder Altersarmut bedroht sind. Am Fallbeispiel Scheidung wurde diskutiert, welche rechtlichen Grundlagen gelten, welche finanziellen Folgen für Männer und Frauen entstehen und welches Framing sich lohnt oder vermieden werden sollte. Obwohl die Rechtslage für beide Geschlechter gleich ist, können die Konsequenzen eines Rechtsstreits und die Emotionen der Öffentlichkeit stark vom geschlechterspezifischen Framing beeinflusst werden.

Some Influences Die Hard

Einführung in die Taxonomie und den Einfluss von Falsch- und Desinformation · Workshop im Vorfeld der Litigation-PR-Tagung 2019, ZHAW · Christoph Abels und Daniel Hardegger

Christoph Abels beim Workshop

Der Workshop führte in die Begriffe ein – Was ist Misinformation? Wie unterscheidet sie sich von Desinformation? Was sind Deep Fakes? – und diskutierte die Einflussgrössen, die die Verbreitung begünstigen: veränderter Medienkonsum, Verbreitungsmechanismen über Social Media, journalistische Praktiken und individuelle kognitive Verzerrungen.

Danach ging es um die Folgen für die Rechtskommunikation: Szenarien, in denen Deep Fakes einem Unternehmen schaden können, von vermeintlichen Straftaten des CEO bis zu erfundenen Millionenspenden, sowie die Grenzen der forensischen Erkennung und mögliche Gegenmassnahmen. Anhand zweier Fallbeispiele erarbeiteten die Teilnehmenden die Implikationen aus Sicht von Anklage und Verteidigung – inklusive der Frage, ob sich aktive Gegenmassnahmen angesichts ihrer Kosten und unsicheren Wirkung überhaupt lohnen.

Systemische Strategieentwicklung in der Litigation-PR

Workshop an der Litigation-PR-Tagung 2018, ZHAW · Christian Schlimok (Novamondo) und Daniel Hardegger

Daniel Hardegger beim Workshop 2018

Design Thinking, Strategic Foresight und streikende Professoren: Knapp zwanzig Teilnehmende lernten neue Methoden zur Entwicklung nachhaltiger Strategien in der Litigation-PR kennen und wendeten sie auf den Streik der Professoren in Grossbritannien im Rahmen der Rentenreform an.

Christian Schlimok zeigte, wie Design Thinking in Verbindung mit Systemtheorie hilft, Akteure besser zu verstehen – mit Personas als Vorlagen für Personen und «Organisationas» für Organisationen. Daniel Hardegger kombinierte diese Methoden mit Verhandlungstheorie und Strategic Foresight. In Zweiergruppen erarbeiteten die Teilnehmenden die Organisationa je eines Stakeholders; anschliessend wurden die Erkenntnisse in eine «Litigation-PR Map» übertragen, die sichtbar machte, welche Stakeholder gleiche, ähnliche oder gegensätzliche Positionen und Interessen haben. Daraus leiteten die Teilnehmenden Kommunikationsstrategien für einzelne Akteure und Gruppen ab.

Internationale Verhandlungen im privaten und öffentlichen Sektor

Konferenz am 6. November 2015, Institut für Management und Recht, ZHAW · Dr. James T. Peter, Dr. Vitalijs Butenko, Alessandra Vellucci

Die ausverkaufte Konferenz vermittelte drei Sichtweisen auf das Verhandeln in unterschiedlichen Rahmen. Dr. James T. Peter zeigte in «Was ist Wirtschaftsmediation», wie Verhandlungen im Privatsektor aussehen – und warf die Frage auf, ob das Ziel eine Win-win-Lösung ist oder der grösstmögliche eigene Vorteil. Dr. Vitalijs Butenko (ETH Zürich) führte unter dem Titel «Negotiation Engineering» in die Spieltheorie ein und zeigte, wie sie Entscheidungen im Alltag verbessern kann. Alessandra Vellucci, Leiterin des Intergovernmental Support Service der UNCTAD, berichtete aus echten Verhandlungsdilemmata in internationalen Gremien.

Zum Abschluss spielten die Teilnehmenden in zwölf Runden das Gefangenendilemma – und kehrten zur Frage vom Morgen zurück: Ist eine Win-win-Lösung das Hauptziel einer Verhandlung?

Kulturelle Unterschiede in Verhandlungen

Konferenz am 28. November 2014, Institut für Management und Recht, ZHAW · Prof. Dr. Patrick L. Krauskopf, Khaldoun Dia-Eddine, Dr. Andres Smith-Serrano

Die erste Konferenz von Negotiations.CH gab Einblick in die Herausforderungen von Verhandlungen mit Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft. Prof. Dr. Patrick L. Krauskopf führte in die Harvard School of Negotiations und in verbale wie nonverbale Kommunikation ein. Khaldoun Dia-Eddine, Verhandlungsanalytiker und Dozent an der ZHAW, sprach über Verhandlungssimulationen: Sie können echte Verhandlungen nie vollständig abbilden, erlauben aber, Techniken zu trainieren und neue Ansätze auszuprobieren, ohne reale Nachteile zu riskieren. Dr. Andres Smith-Serrano, UN Genf, berichtete als «Verhandlungspraktiker» aus politischen Verhandlungen, insbesondere im Nahen Osten.

Ein sehr umfassender und lohnender Tag mit einer motivierten und wissbegierigen Gruppe, die die Verbindungen zwischen Theorie und Praxis kulturübergreifender Verhandlungen erforschte. – Dr. Andres Smith-Serrano

Zum Abschluss organisierte Negotiations.CH eine kurze Verhandlungssimulation zur Einführung einer Frauenquote in Verwaltungsräten. Ziel war nicht die Lösung, sondern das Feedback der Experten, die die Verhandlung jederzeit unterbrechen durften, zu den Unterschieden zwischen politischen Verhandlungen und solchen zwischen Unternehmen.

Workshopkonzepte

Workshop concepts

Vier Formate, die wir zwischen 2018 und 2020 entwickelt und durchgeführt haben. Sie sind nicht als Katalog gedacht – aber wer eines davon oder eine Weiterentwicklung anfragen will, findet unter Kontakt den Weg.

Four formats we developed and ran between 2018 and 2020. They are not a catalogue – but anyone who wants to request one of them, or a further development, will find the way under Contact.

Design Thinking für Verhandlungslösungen

Teilnehmende
8 bis 12
Dauer
halber oder ganzer Tag
Sprachen
Deutsch, Englisch

Verhandeln bedeutet, Lösungen für Probleme zu entwickeln, die nachhaltig wirken und von allen Beteiligten getragen werden. Die Herausforderung ist, den Interessen und Positionen aller Stakeholder gerecht zu werden, ohne die eigenen aufzugeben – was voraussetzt, dass man beide kennt und in Verbindung setzen kann. Die Teilnehmenden erhalten Einblick in die Methoden von Design Thinking und Verhandlungstheorie und wenden sie in Aufgabenstellungen direkt an.

Für wen

Juristinnen, Politiker, Managerinnen, PR-Experten und erfahrene Verhandler, die sich ihrer Möglichkeiten in Verhandlungen bewusster werden und die Nachhaltigkeit ihrer Lösungen sichern wollen.

Grundlagen

  • Fisher/Ury, Getting to Yes – Verhandlungstheorie der Harvard Business School
  • Tim Brown, Change by Design – nutzerorientierte Lösungsentwicklung im Design Thinking
  • Richard Lewis, When Cultures Collide und When Teams Collide – interkulturelle Kommunikation

Verhandlungsmapping und Strategic Foresight

Teilnehmende
bis 12
Dauer
ein Tag
Sprachen
Deutsch, Englisch

Die Verflechtungen der Interessen und Positionen sichtbar zu machen, erleichtert die Vorbereitung und die Entwicklung tragfähiger Verhandlungslösungen. In einem vorab entwickelten Szenario nutzen die Teilnehmenden Personas und Organisationas, um Werte, Ziele, Positionen und Interessen aller Akteure zu analysieren, und entwickeln daraus kooperative Strategien und Lösungen für jeden Stakeholder.

Für wen

Rechtsanwälte, Unterhändler, Politikerinnen, Manager, PR-Expertinnen und Berater, die ihre Verhandlungsstrategien über nachhaltige Lösungen für alle Beteiligten verbessern wollen.

Strategic Foresight für die Litigation-PR

Teilnehmende
bis 12
Dauer
halber oder ganzer Tag
Sprachen
Deutsch, Englisch

Litigation-PR bewegt sich in einem Umfeld, in dem schnelle Reaktion und Gestaltungsfähigkeit erfolgskritisch sind. Sich Zeit und Handlungsspielraum zu verschaffen, kann für den Prozessverlauf entscheidend sein. Mit Methoden der strategischen Vorausschau lernen die Teilnehmenden, Entwicklungen in der Rechtskommunikation vorwegzunehmen und Antworten zu entwickeln, bevor Probleme entstehen – «vor die Lage» statt «Herr der Lage».

Inhalte

  • Szenarien erarbeiten und Massnahmenpläne ableiten, inklusive der «neuralgischen Punkte» eines Litigation-PR-Prozesses
  • Szenariobasierte KPIs und Controlling; Einführung in Open Source Intelligence (OSINT)
  • Chancen und Grenzen der strategischen Vorausschau in der Litigation-PR

Framing & Gender in der Litigation-PR

Teilnehmende
8 bis 12
Dauer
halber oder ganzer Tag
Sprachen
Deutsch, Englisch

Die Teilnehmenden entwickeln eine Litigation-PR-Strategie, die die kommunikativen Bedürfnisse und die unterschiedlichen finanziellen Realitäten von Männern und Frauen aufnimmt. Die erste Herausforderung ist das «Paradox der weiblichen Kommunikation»: Frauen gelten als kommunikativ stärker, setzen sich in gemischten Gruppen aber oft nicht durch – wer sachorientiert und ohne Statusbetonung argumentiert, wird eher ignoriert; wer sich wie die Männer verhält, wird nicht ernst genommen. Die zweite Herausforderung sind die finanziellen Realitäten: geringeres Gehalt, mehr Teilzeit, Erwerbslücken, andere Anlageentscheidungen – mit der Folge, dass Frauen im Alter schlechter aufgestellt und häufiger finanziell abhängig sind.

Grundlagen

  • Fisher/Ury, Getting to Yes
  • Claudia Müller, Finanzen – Freiheit – Vorsorge: Der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit – nicht nur für Frauen

In Zusammenarbeit mit dem Female Finance Forum.